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(Ausgabe: No. 137 / Kategorie: Leitartikel) »Druckversion«

20. Juli: 19 Jahre Verfolgung von Falun Gong in China: Die Frage nach dem Warum?

  
Kerzenlichtmahnwache vor dem Washington Monument, 22. Juni 2018Foto: Minghui.de
 
Seit 19 Jahren führt Chinas kommunistisches Regime eine beispiellose Verfolgung gegen die eigene Bevölkerung: Geschätzte 100 Millionen Menschen und damit jeder dreizehnte Chinese sind seit dem 20. Juli 1999 Zielscheibe der Verfolgung von Falun Gong.

Der traditionelle buddhistische Kultivierungsweg aus fünf Qigong-Übungen und einer anleitenden Lehre nach den Prinzipien „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachtsicht“ hatte niemals vor, in China irgendeine politische Rolle zu spielen. Weltanschauung ist Privatsache, sollte man meinen – aber eben nicht im kommunistischen China, wo zwar oberflächlich alles so ähnlich aussieht wie bei uns – mit iPhones und Starbucks in Großstädten an jeder Ecke. Untergründig läuft bis heute die Kampagne, die eine unbekannte Anzahl Menschenleben kostete und vor der viele Chinesen massive Angst haben.

Doch warum wurden Menschen, die sich rein privat der spirituellen Selbstveredelung widmen zur Zielscheibe von staatlicher Willkür?

Die Verfolgung: Erklärungsversuche

1. Die Zahl der Ausübenden: Falun Gong wurde zu schnell zu populär

Falun Gong, das zum ersten Mal 1992 in der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, zählte nur sieben Jahre später – laut Schätzungen der KPCh – über 70 Millionen Praktizierende in China. Falun Gong war – wie es der US News and World Report 1999 formulierte – „die größte freiwillige Organisation in China, sogar größer als die Kommunistische Partei”, deren Mitgliederzahl damals bei ca. 65 Millionen lag. Die KPCh fühlte sich durch diesen schnellen Popularitätsgewinn eingeschüchtert und befürchtete in Falun Gong eine Konkurrenz.

Ein weiterer Hinweis, dass die Partei die Popularität von Falun Gong fürchtete, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Veröffentlichung der Falun Gong-Bücher 1996 sofort verboten wurde, als sie zu Bestsellern wurden.

2. Der befürchtete Kontrollverlust: Falun Gong war „zu unabhängig“

Einige Führer der KPCh sahen die Unabhängigkeit von Falun Gong als eine Bedrohung an. Die Eigenständigkeit der Bewegung zeigte sich darin, dass die Praktizierenden, die in ganz China und in allen sozialen Schichten leben, miteinander kommunizierten und Aktivitäten wie Übungsgruppen selbst organisierten. Die KPCh agiert bis heute totalitär und kontrolliert sowohl die Medien, die Justiz, das Bildungssystem und religiöse Institutionen direkt. Vor diesem Hintergrund war die Unabhängigkeit der Scharen von Falun Gong-Praktizierenden und ihre Fähigkeit, jederzeit Aktivitäten zu organisieren, ein gefährlicher Präzedenzfall.

Die Tatsache, dass sogar viele engagierte Parteimitglieder zu den Falun Gong-Praktizierenden zählten, beruhigte das Regime nicht, sondern steigerte im Gegenteil die Befürchtung, unterwandert zu werden.

3. Der ideologische Konflikt: Falun Gong setzt sich für Werte ein, die sich von denen der Partei unterscheiden.

Obwohl sich China zunehmend der Marktwirtschaft zugewandt hat, hält die atheistische Kommunistische Partei bis heute an der offiziellen marxistischen Ideologie fest. Die Philosophie hinter Falun Gong unterscheidet sich davon fundamental: die Anerkennung der Existenz des Göttlichen und Übernatürlichen steht im direkten Gegensatz zur Ideologie der Partei.

Xinhua News, das offizielle Sprachrohr der KPCh, erklärte dazu 1999 stolz: „Das sogenannte ,Prinzip von Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Toleranz’, das von Li Hongzhi [dem Gründer von Falun Gong] gelehrt wird, hat keinerlei Gemeinsamkeiten mit dem sozialistischen, ethischen und kulturellen Fortschritt, den wir anstreben.” (Xinhua News 1999)

4. Die Persönlichkeit Jiang Zemins

Jiang Zemins Entscheidung, die Kampagne gegen Falun Gong zu starten, traf ursprünglich auf wenig Unterstützung bei anderen hohen Parteiführern. In der Tat setzte er sich gegen alle anderen Mitglieder des ständigen Ausschusses des Politbüros durch. Jiang gründete das Büro 610 und trieb die Gesetzgebung voran, um das Verbot rückwirkend zu rechtfertigen.

Warum tat er das?

Einerseits aus Neid an der Popularität von Falun Gong, andererseits deutet nach Aussage des Analysten Willy Lam und anderer einiges darauf hin, dass Jiang dadurch, dass er Falun Gong angriff und eine Kampagne im maoistischen Stil mit dem damit verbundenen Krisenzustand durchführte, eine höhere Loyalität gegenüber seiner Person erreichen und dadurch politisch an Bedeutung gewinnen wollte.

5. Der Charakter des kommunistischen Regimes: Um zu überleben, erklärte das Regime immer wieder verschiedene Gruppen zum Feind

Wie das Buch „Die Neun Kommentare über die Kommunistische Partei” beschreibt, hat die KPCh in den sechs Jahrzehnten, die sie an der Macht ist, eine Kampagne nach der anderen unternommen, um verschiedene Gruppen zu bekämpfen.

Dabei wurde die sogenannte „95 zu 5“-Regel angewandt: Sie erklärt dem chinesischen Volk, dass nur eine kleine Gruppe von Feinden bekämpft werde; die „guten” 95 Prozent der Bevölkerung würden nicht davon betroffen sein, solange sie sich klar von den „schlechten” 5 Prozent distanzierten. Auf diese Weise wird die bekämpfte Gruppe schnell ausgegrenzt. Freunde, Kollegen, Klassenkameraden und sogar Familienmitglieder versuchen – aus Angst vor eigener Verfolgung – schnell mit der „guten Mehrheit“ konform zu gehen.

Der Trick bestand bisher darin, dass die „Gruppe der schlechten 5 Prozent” ständig wechselte: Zuerst waren es die Reichen und ihre Familien, dann Leute mit Verbindungen ins Ausland, dann religiöse Menschen, Intellektuelle, Demokratiebefürworter und so weiter – und zurzeit sind es eben die Falun Gong-Praktizierenden.

Es gibt kaum einen Chinesen, der keinen guten Freund oder Verwandten hat, der nicht irgendwann einmal im Laufe der Jahrzehnte in die Mühlen des Staatsapparates geriet und verfolgt wurde. Und während an der Oberfläche das Alltagsleben weitergeht, lebt jeder in Chinas Bevölkerung in der unterschwelligen Angst, dass er oder sie die nächste Zielscheibe sein könnte.

Weitere Begründungen finden Sie unter folgendem Link:epochtimes.de

Redaktionelle Bearbeitung: Julia Wikström
 

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